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BMW 118i - kompakte Fahrmaschine mit Ambitionen

Thursday, March 11th, 2010

Zu den diversen Freuden eines “petrolheads” gehört in jedem Fall das Probefahren verschiedener Autos, vor allem wenn man das Glück hat, einen BMW 1er zur Probefahrt angeboten zu bekommen. Für mich schon immer ein cooles Auto, ein Bekenntnis zur Ekzentrik, eine kompromisslose Fahrmaschine mit Kofferraum und vier Sitzen, ein Premiumauto im Taschenformat, im Prinzip ein klein wenig überteuertes Spielzeug, das mit Ach und Krach den Anforderungen eines sogenannten Kompaktwagens - viel Platz und praktische Auslegung - gerecht zu werden versucht und beim Preis leider ein wenig scheitert. Zu viel des Lobs? Nun ja, wie man es nimmt. Für sein vergleichsweise mageres Platzangebot und das zu Anfang skandalöse Design musste der Einser viel Kritik einstecken. Die Beschreibung der Seitenlinie als “Hängebauchschwein” und “durchgesessenes Sofa” waren meine persönlichen Favoriten. Dennoch, mit dem 1er hat BMW das geschaffen, was dem Markt fehlte: Zwischen bärenstarken aber schweren und etwas behäbigen V8-Limousinen und Hardcore-Leichtbau-Sportwagen wie dem Lotus Elise eine bezahlbare Mitte zu finden, ein 911er für die Massen sozusagen, nur dass der Motor sich beim 1er an der richtigen Stelle befindet. Mit Heckantrieb, nur 1.3 Tonnen Gesamtgewicht und einer 50/50 Gewichtsverteilung hat BMW hiermit ganz klar ins Schwarze getroffen, zumindest auf dem Papier. Ob die Bayern allerdings tatsächlich den Kleinwagenmarkt dank Heckantrieb revolutioniert haben, wird sich bei einer Probefahrt zeigen.

Relativ unspektakulär erwacht der R4-Saugmotor des 1er zum Leben, nachdem man sich in die fast perfekt geformten Sitze geschwungen hat. Kein Bellen, kein Aufmerksamkeitsheischendes zischen oder Fauchen wie beim Golf GTI, sondern lediglich eine leicht dumpfe Note vom Auspuff und ein wenig Riemengeräusch - fast wie ein leiser Diesel. Als erstes fallen die exakte Kupplung, das knackige Sechsganggetriebe und die einwandfrei dosierbaren Bremsen auf, die Federung ist mehr hart als komfortabel aber keineswegs kompromisslos. Dank Heckantrieb liegt der 1er damit satt auf der Straße und vermittelt ein solides Fahrgefühl. Ganz zu schweigen von den bildschönen Amaturen, die einem vor allem Nachts helle Freude bereiten. Am Interieur gibt’s gar nichts auszusetzen, vorausgesetzt man stattet den Einser mit der Klimaautomatik und einem besseren Radio sowie dem Sportlederlenkrad aus. Leder wertet das Auto nochmals erheblich auf, jedenfalls mehr als bei anderen Wagen dieser Klasse.
Viel wichtiger allerdings für jeden Fahrverrückten ist das Triebwerk, zu dem man geteilte Meinungen haben kann. Gemächlich, aber mit zunehmend sattem Sound arbeitet sich die 2-Liter-Maschine aus dem Drehzahlkeller, ab 4500 u/min hat sie dann genügend Luft geholt und quittiert jeden Gasstoß mit Sauger-typischer Wucht und saftigem Fauchen; bis ca. 6800 u/min gesellt sich ein leises Kreischen der Riemen hinzu, dann ist endgültig Schluss und der nächste Gang muss her. Lässt der ein klein wenig auf sich warten, wird man außerdem mit einem dumpfen Zwischengaston verwöhnt der helle Freude bereitet. Das alles scheint zum Großteil ein Verdienst des matt-silberschimmernden Endrohrs zu sein, denn ohne das klingt der Einser weniger spektakulär als ordinär. Das Schalten ist eine besondere Freude - kaum ein anderes Getriebe lässt sich so zackig und präzise durch die Schaltgassen bewegen, fühlt sich so wunderbar solide und dennoch sportlich an.
Zusammen mit der filigranen Kupplung schaltet man in Augenblicken ein paar Gänge runter und wird, wenn man das Gas dementsprechend bewegt, mit einem saftigen Stoß in den Sitz belohnt. Was die Leistung angeht, ist alles bis ca. 80km/h im grünen Bereich, von 80-160 hingegen tut sich der Vierzylinder sichtlich schwer, ab 160 geht es aber für einen normalen Vierzylinder relativ flott voran. Ab 200 darf man allerdings nicht mehr viel erwarten, bis zur Höchstgeschwindigkeit von gefahrenen 221km/h lt. Tacho vergehen gefühlte Stunden. Der Verbrauch ist bei flotter Fahrweise mit 10-12l/100km okay, allerdings kann man den 118i auch mit 17-18l/100km bewegen, bei V-max sind es sogar über 30l/100km. Sehr gemächliche Autobahnfahrten sind mit ca. 7 Litern zu meistern, in der Stadt kommt man selbst mit vorsichtiger Fahrweise nicht wirklich unter 9l/100km. Alles in allem akzeptabel, aber nicht wirklich wenig. Und um mit dem 118i wirklich Spaß zu haben, muss man schon bis an die 4000u/min herandrehen - ein eindeutiger Sauger-Nachteil.
Jede Zweifel an diesem Auto sind jedoch vergessen, sobald man leidenschaftlich durch die Kurven zieht. Fantastische Straßenlage, zurückhaltender ESP-Eingriff und die nahzu perfekte Fahrwerks- sowie Lenkabstimmung sorgen in jeder Situation für Fahrspaß - und selbst auf langen Autobahn-Strecken fährt sich der 1er ruhig und gelassen. Im Grenzbereich zeigen sich aber auch Schwächen, wie das unerwartet vehemente Untersteuern, dass aber mit einem beherzten Gasstoß wieder eingefangen werden kann. Dank seines guten Handlings ist der Einser insgesamt eine lohnende Investition, vorrausgesetzt man ist bereit bei Komfort, Nutzwert, Verbrauch und Preis-Leistungs-Verhältnis Kompromisse einzugehen. Es empfiehlt sich daher, einen Jahreswagen zu kaufen - dieser sieht nach ein wenig Pflege wieder fast wie neu aus, kostet aber bedeutend weniger als ein Neuwagen. Es ist ratsam, beim Kauf eine Gebrauchtwagengarantie abzuschließen und Wagen mit dem BMW-Qualitätssiegel “Premium Selection” zu bevorzugen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Alles in allem ist der BMW 1er ein Statement: Viel Sport, wenig Gewicht, ausreichende Motorisierung - wer braucht schon ein praktisches Auto, wenn man auch Spaß haben kann? Zum absoluten Hammer wird das Auto jedoch erst mit der Topmotorisierung, dem 130i bzw. 135i (Coupé & Cabrio). Dann verdient es das Prädikat eines Porsche für die Massen - vielleicht nicht ganz so perfekt, aber in jedem Fall nah dran.